Les Musées d'art et d'histoire

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Les Musées d'art et d'histoire

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UHRMACHEREI, EMAIL & SCHMUCK

Zeitmessung in fünf Jahrhunderten

Die im Museum aufbewahrten und erforschten Uhrensammlungen, die anlässlich von Sonderausstellungen zu sehen sind, verblüffen immer wieder durch den Reichtum ihrer Verzierungen, ihre luxuriösen Ornamente und die faszinierende technische Komplexität ihrer Mechanismen.
Diese Zeitmesser sind Ausdruck des vollendeten Könnens der Genfer Kunsthandwerker und Uhrmacher, deren Motive entweder ihrer Vorstellungskraft entspringen oder von der aktuellen Mode beeinflusst sind.

  • Jean Chais (1677-1726), Genf, 1695-1700
    Weckeruhr

Ausgeschnittenes, durchbrochenes, graviertes und ziseliertes Silber
Höhe 6,85, Durchmesser 5,9, Dicke 3,55 cm
Herkunft: Kauf 1977
Inv. AD 2738


Die tragbare Uhr kommt gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf, und die ältesten erhaltenen Genfer Uhren stammen aus dem Jahr 1640. Zu dieser Zeit kleiden Goldschmiede die Uhren in Gehäuse aus ziseliertem Silber in Tier-, Herz- oder Blumenform oder versehen die Uhrwerke mit Gehäusen aus Bergkristall. Zur selben Zeit kommt zur Verzierung dieser Kleinode, die eher Schmuckstücke als Zeitmesser sind, auch die Emailmalerei in Mode.
Im 18. Jahrhundert erhalten die Uhren einen Minutenzeiger: komplexere Uhrwerke werden in grossen runden Gehäusen untergebracht, die Zwiebeln genannt werden. Obgleich die runde Form allgemeine Verbreitung findet, bleiben die Palette und Technik der Verzierungen äusserst reichhaltig: getriebenes Metall, Gravur, Farbgold, Perlen und Edelsteine, Email und Emailmalerei. Paillons (Glanzblättchen) und Guillochis schmücken die emaillierten Miniaturen und die mit Edelsteinen eingefassten Gehäuse.
Unter dem Einfluss von J. Harrison, J. Arnold, Th. Mudge, P. Leroy, Ferdinand Berthoud und A.-L. Breguet wird die Uhrenmechanik dank der Marinechronometer immer präziser und zuverlässiger.
Berühmte Uhrmacher des 19. Jahrhundert prägen die Chronometrie ganz entscheidend: Abraham-Louis Breguet, Jean-Antoine Lépine, Jacques-Frédéric Houriet, Abraham-Louis Perrelet… Die Zeitmesser werden mit extraflachen Uhrwerken oder mit Komplikationen versehen, Zifferblätter und Gehäuse verführen mit klaren Linien. Diese stilistische Strenge und Technisierung entwickelt sich zeitgleich zur erneuten Beliebtheit der Fantasieuhr mit ihren überraschenden Formen.
Mit dem Aufkommen der Armbanduhr zur Wende des 20. Jahrhunderts öffnet sich ein neues Kapitel in der Geschichte der tragbaren Uhr. Die technischen Meisterwerke von heute tragen eine seit langem bestehende Tradition weiter.

Nichtmechanische Zeitmessung

Die Ursprünge der Zeitmessung liegen in Ägypten und gehen zurück auf die Zeit um 4000 v. Chr.: Aufgrund der Beobachtung des regelmässigen Nilhochwassers entwickeln die ägyptischen Gelehrten ein „Landwirtschaftskalender“ genanntes System, das aus 12 Monaten mit jeweils 30 Tagen besteht. Ab 1500 v. Chr. unterteilen die Ägypter den durch den auf den Boden geworfenen Schatten des Gnomons einer Sonnenuhr zurückgelegten Weg in zwölf gleich grosse Teile; die Vorrichtung wird bald durch eine Wasseruhr ersetzt, um auch die Nachtstunden zu zählen. Diese Wasseruhren, von den Griechen Klepsydren genannt, sind schon bald in der gesamten zivilisierten Welt verbreitet. Sie sind eine Vorstufe zum Bau mechanischer Instrumente, welche die Messung des Zeitflusses ermöglichen.

  • Nourry ( - ), Lyon, 1675
    Achteckige Taschensonnenuhr mit Kompass

Graviertes und poliertes Silber, Grubenschmelz mit schwarzem Firnis auf Silber, graviertes und durchbrochenes Messing
Länge 4,9, Breite 4, Dicke 1 cm
Inv. 13243



Zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert erlauben die Fortschritte in der Mechanik allmählich eine Lösung des Problems der Erfassung langer Zeiträume, die damals mit Hilfe von Sanduhren, markierten Kerzen oder Feueruhren gemessen wurden.

Pendeluhren

Pendeluhren sind Uhren mit mittlerem bis grossem Volumen. Ihre Geschichte zeigt den Übergang von der öffentlichen zur privaten und tragbaren Zeit. Diese Entwicklung findet in den Räumen der Privathäuser statt, in denen die Pendeluhren ab dem 15. Jahrhundert ihren Platz finden. Nach der Entdeckung des Zykloidenpendels durch Ch. Huygens (1650) werden Uhren zusehends auch für Wohnräume hergestellt. Die Pendeluhren stehen entweder auf einem Kamin, einem isolierten Sockel in Form einer Säule oder einer kleinen Konsole. Dank den von Möbeltischlern und Bronzegiessern ausgeführten Gehäusen fügen sie sich nahtlos ins Mobiliar ein, aus dem sie bald nicht mehr wegzudenken sind.

  • Leroy et Fils & Cie, Paris, 1889
    Astronomische Pendeluhr mit ewigem Kalender, ausgeführt für die Weltausstellung in Paris

Schlagwerk für halbe und ganze Stunden. Chronometerhemmung mit verlorenem Schlag. Anzeige der wahren Zeit, der mittleren Zeit, des Datums des ewigen Kalenders, des Tages, Monats, Jahres, der Mondphase und des Mondtags.
Höhe 55,5, Breite 33, Tiefe 30 cm
Herkunft: alter Bestand
Inv. 2564



Rund um einen Kern geformt aus einem Dutzend spektakulärer Ausstellungsstücke, welche insbesonders die Signaturen von Breguet, Leroy, Jaquet Droz, Simon, Baridon, Billon, Japy… tragen, bringt die Sammlung die hauptsächlichsten Erfinder der Pendeluhren ans Licht, die in Westeuropa vom 16. bis zum 20. Jahrhundert hergestellt wurden.

Automaten- und Spieluhren

Die Sammlung ist - was Automaten- und Spieluhren betrifft, die bewegte Gegenstände mit Musik verbinden - relativ begrenzt.

  • Rochat Frères (tätig von 1810-1835), Genf, um 1814
    Singvogelkäfig mit Selbstschlaguhr

Guillochiertes, graviertes, ziseliertes und durchbrochenes Gold, Grubenschmelz und Flinker, Diamanten, drei bewegliche Vögel mit polychromem Gefieder
Höhe 29,2, Breite 10, Tiefe 10 cm
Herkunft: Kauf 2003
Inv. H 2003-136



Trotzdem bildet dieser Teil der Uhrmacherkunst und der ihm eigene Zauber, der hier durch sieben bedeutende Objekte vertreten ist, ein interessantes und harmonisches Ganzes, das insbesondere von den Vorlieben der Kundschaft aus dem Nahen Osten für diese in Genf geschaffenen und prunkvoll dekorierten Schmuckstücke zeugt.
Der Gesang der Singvögel, den die Mechaniker bereits in der Renaissance nachzuahmen versuchten, bietet den Genfer Kunsthandwerkern einen besonderen Schaffensraum: Mechaniker, Goldschmiede und Emailleure verleihen den Automaten und Singvogelkäfigen eine besonders wertvolle Dimension.

Uhren gestern und heute

Die Herstellung von Uhren ist eine alte Tradition, die auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurückgeht und gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre ästhetische und technische Vollendung erreicht. Die zur Unterhaltung der Reichen und Notabeln geschaffenen Objekte sind begehrte Kostbarkeiten. Mit der Entwicklung der Transportmittel, der Industrialisierung und der Ausweitung der sozialen Netzwerke werden sie zu unentbehrlichen Instrumenten für die zeitliche Bemessung der Tätigkeit der Menschen in Europa, im Orient und in Amerika.
Die Chronometrie entwickelt sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden, von starker Konkurrenz geprägten Wirtschaftszweig, der die begabtesten Wissenschafter und Künstler anzieht. Diese perfektionieren die Zeitmesser mit einer Vielzahl innovativer technischer und ästhetischer Neuerungen.
Neben der chronometrischen Funktion der Uhr unterstützt die Industrie im Hinblick auf die Verkaufsförderung auch die Betonung ihrer ästhetischen Eleganz.

  • Marchand, Genf, um 1700
    Taschenuhr mit Wecker

Erstes Gehäuse aus graviertem Silber, zweites Gehäuse aus durchbrochenem Silber
Höhe 7,65, Durchmesser 6,1, Dicke 3,55 cm
Herkunft: Kauf 2003
Inv. H 2003-141

Genfer Emailuhren

Die Malerei auf Email entsteht in Frankreich und wird im 17. Jahrhundert in Genf eingeführt: Bereits damals schmücken die Feinheit ihrer Zeichnungen und ihr Farbenreichtum die Porträts und Darstellungen von Uhren, Tabakdosen und Schmuckstücken. Zusammen mit der ihr eng verbundenen Goldschmiede- und Uhrmacherkunst trägt sie zum Ruhm der Genfer Miniaturenmaler bei, die diese Technik zur Vollendung bringen. Nach der Erfindung des „Emails unter Schmelz“, auch „Genfer Email“ genannt, ist die besondere Qualität der Uhren und des Schmucks aus Genf nach 1760 sowohl bei Uhrenhändlern, insbesondere aus Paris und London, als auch bei den Kunden im Nahen Osten sehr gefragt.

  • Jacques Coulin & Amy Bry (Genf, 1782-1799), Genf, um 1790
    Repetitionstaschenuhr „Souvenir d’ami“

Gold, Emailmalerei, Email mit Paillons (Glanzplättchen), Perlen, zweites Gehäuse aus vergoldetem Messing, Glas
Herkunft: Kauf 2003
Inv. H 2003-140

Formuhren

Form- oder Fantasieuhren, die sich zwischen dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts und der Mitte des 17. Jahrhunderts einer grossen Beliebtheit erfreuten, kommen ab 1775 und bis ins 19. Jahrhundert erneut in Mode.
Diese ungewöhnlichen Uhren mit vielfältigen Gehäuseformen (Blumen, Tiere, Totenköpfe) trägt man um den Hals gehängt, an der Taille oder, wie im 19. Jahrhundert, an eine Brosche geheftet.
Es werden auch Operngucker und Tabakdosen mit versteckten Uhren hergestellt. Ringuhren bieten währenddessen eine Alternative zu herkömmlichem Schmuck.

  • Pierre-Simon Gounouhilou (1776-1847), zugeschrieben, Genf, um 1820
    Ringuhr mit sichtbarer Unruh

Gold, Perlen, Diamanten, Grubenschmelz, Emailzifferblatt
Herkunft: Kauf 2004
Inv. H 2004-10

Uhren mit Komplikationen

Die Zeitmesser in den Beständen des Museums bestechen nicht nur durch ihre ästhetische Attraktivität sondern auch als Zeugen des Fortschritts in Wissenschaft und Technik. In Genf, wo die Société des Arts und das Observatorium ab dem 18. Jahrhundert den Wetteifer unter den Uhrmachern stetig anfachen, haben einige bekannte Erfindungen einen entscheidenden Einfluss, insbesondere auf die höhere Präzision der Zeitmessung. Diese Erfindungen stützen sich auch auf die Anstrengungen zur Verbesserung der Marinechronometer in Paris und London.
Ein Uhrwerk mit nur einem Zahnrad, ein Mechanismus mit einer Laufzeit von einem Jahr oder Mechanismen mit mehreren Komplikationen sind Beispiele für den Reichtum der Arbeiten und Forschungsprojekte, die sich aus der Kunst der Zeitmessung entwickeln.

  • Pierre-François Gautrin (1737 – um 1799), Paris, 1796-1797
    Taschenuhrwerk mit einem einzigen Zahnrad.

Signiert : « Gautrin à Paris / Pr[emiè]re Montre à une Roue Inv[en].té & Exe.té 8/96. »
« INVENTE PAR GAUTRIN N° 1 9/97. 5e A PARIS RECU A L'INSTITUT NATIONAL DES SCces ET ARTS » Herkunft: Schenkung Édouard Sordet, Genf, 1883
Inv. AD 2561

Automatenuhren

Um die Wende des 19. Jahrhunderts wird die Uhrmacherkunst immer präziser, während sich hauptsächlich in der Türkei und in Asien neue Märkte entwickeln. Der Augenblick ist daher günstig, um den Kunden immer ausgefallenere Kuriositäten und Unterhaltungsgegenstände anzubieten. Das Aufkommen der Automaten und der Jacquemarts (Stundenschläger) bei den Uhren folgt einer natürlichen Entwicklung, da die Uhrmacher sich auf die bei den Pendeluhren mit Automaten gewonnenen Erkenntnisse stützen, deren Ursprünge auf das 14. Jahrhundert zurückgehen.
Die bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Jacquemarts stellen Personen (Zimmerleute, Schmiede, Spinnerinnen, Musiker, Ritter und Seiltänzer) dar, die einfache Handlungen oder Gesten imitieren, indem sie durch einen Drücker am Bügel betätigt werden.
Die häufigsten Szenen bestehen aus einer oder zwei Figuren, welche die Uhrzeit auf Glocken schlagen, deren Klang durch einen Repetiermechanismus erzeugt wird, der versteckte Schlaghämmer betätigt, die wiederum auf Tonfedern schlagen, die sich unter dem Staubdeckel oder im Band des Gehäusemittelteils befinden. Die Beliebtheit der Automatenuhren erreicht ihren Höhepunkt in der Schweiz und in Frankreich, wo sie zwischen 1800 und 1840 in grosser Zahl hergestellt werden.

  • Piguet Meylan (1811-1828), Genf, um 1815
    Repetitionstaschenuhr mit Automaten

Szene nach Charles Oudry (Paris, 1686-1755), r Der Hund gegen den. Schwan bellend
Guillochis, graviertes und ziseliertes Gold, Farbgold und Silber, Grubenschmelz
Herkunft: Kauf 2003
H 2003-139

Emailmalereien

Die Emailmalerei kam mit den Mitgliedern der Familie Huaud nach Genf, die als französische Protestanten im Jahr 1630 in der Rhonestadt Zuflucht finden. Die Genfer Schule der Emailmalerei wird Teil der Fabrique, in der sie sich der Verzierung von Uhren, Schmuck, Nippsachen oder Objets de Vertu widmet.
Die Miniaturporträts unterscheiden sich von den Genremotiven und den Landschaften der industriellen Fertigung durch die bekannten Signaturen ihrer Schöpfer, die sowohl aus Genf selbst als auch aus den renommiertesten Werkstätten Europas stammen. Die Präsenz der Genfer Künstler in aristokratischen Kreisen vieler Länder seit Anfang des 17. Jahrhunderts zeugt vom Können und Talent der Maler und Farbchemiker der Stadt.

  • Jean I Petitot (Genf, 1607 - Vevey, 1691)
    Porträt von Catherine Howard d’Aubigny nach Anton Van Dyck

Auf Gold gemaltes Email und auf dem Gegenemail signiert und datiert: „J. Petitot. Ge. / 1643“
Höhe 10,6, Breite 8,8 cm
Herkunft: Kauf 1979
Inv. AD 3708


BIOGRAPHISCHE HINWEISE

Jean I Petitot (Genf, 1607 - Vevey, 1691)
Goldschmiedelehre bei seinem Onkel Jean Royaume. Arbeit am französischen Hof für Ludwig XIV. und am englischen Hof für Karl I. Er ist inspiriert durch die französischen und englischen Miniaturenmaler und trifft Van Dyck (1599-1641), der ihn berät, und Turquet de Mayerne (Arzt und Chemiker aus Genf), der ihm die Entwicklung der Emailtechnologie ermöglicht. Er verhilft der Miniatur zu hohem Ansehen.

Miniaturporträts

Die Sammlung enthält mehr als 300 - für die Genfer Schule beispielhafte - Objekte mit Miniaturporträts auf Pergament, Elfenbein, Karton oder Papier, die zwischen 1980 und 1995 restauriert wurden.
Die Genfer Schule gehört in dieser europaweit entwickelten Disziplin zur Spitzenklasse. Ihre häufig in den Pariser Ateliers ausgebildeten Maler reisen viel und porträtieren die Hofaristokratie, insbesondere in Frankreich, England, Deutschland oder Russland. Die Genfer Miniaturenmaler zeigen gegenüber ihren Modellen grosses Einfühlungsvermögen und sind echte Meister der bildlichen Wiedergabe: Ihre Werke sind gleichzeitig kostbar, zart und intim und tragen zur Einzigartigkeit dieser Sammlung bei.

  • Louis-Ami Arlaud, genannt Arlaud-Jurine (Genf, 1751-1829)
    Porträt von Fanny Arlaud (1802-1871), Nichte des Malers

Aquarelle et gouache sur ivoire montée dans un cadre en bois doré
Aquarell und Gouachemalerei auf Elfenbein in vergoldetem Holzrahmen
Links signiert und datiert mit „Ls Arlaud 1816“
Höhe 15,6, Breite 13 cm
Herkunft: Kauf 1833
Inv. I 116


BIOGRAPHISCHE HINWEISE

Louis-Ami Arlaud, Arlaud-Jurine genannt (Genf, 1751-1829)
Schüler Jean-Étienne Liotards (1702-1789). Arbeitet in Paris unter der Leitung von Joseph-Marie Vien (1716-1809). Einjähriger Aufenthalt in Rom, danach Umzug nach London, wo er zahlreiche Aristokraten porträtiert. Stellt in Genf, in der Royal Academy von London und im Pariser Salon aus. Beendet seine Karriere in Genf. Die Sammlung enthält neununddreissig Miniaturmalereien dieses Künstlers.

Tabakdosen

Die Tabakdosen entstehen im 17. Jahrhundert, werden im 18. Jahrhundert populär und finden im 19. und 20. Jahrhundert eine weite Verbreitung. Sie erfreuen sich bei Damen und Herren grösster Beliebtheit und werden zu Tausenden hergestellt: Ab 1680 wird Tabak hauptsächlich als Schnupftabak konsumiert.
Die prunkvollen Tabakdosen und Bonbonnieren, die zwischen dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und dem beginnenden 19. Jahrhundert in Genf, Neuenburg oder Frankreich hergestellt werden, vereinigen sämtliche Techniken der Edelmetallverarbeitung und der Goldschmiedekunst. Uhrmacher, Bijoutiers, Juweliere, Edelsteinfasser, Graveure, Emailleure und Emailmaler arbeiten gemeinsam an der Herstellung dieser Wunderwerke, die mit Musikmechanismen und Automaten versehen sind und deren feine und hochelegante Ornamentik keine Grenzen zu kennen scheint.
Zwischen 1815 und 1830 werden die runden Tabakdosen im Taschenformat oft aus Wurzelholz gefertigt. Sie sind mit pastellfarbenen Porträts oder Szenen verziert, wie sie in der Romantik sehr geschätzt werden.

  • Jean-Étienne Liotard (1702-1789), Genf, 1722
    Tabakdosenplatte, Selene und Endymion

Emailmalerei auf Kupfer, gesprenkeltes Gegenemail, signiert und datiert mit „Jean Etienne Liotard pinxit / 1722“
Herkunft: Vermächtnis [Frau] Philippe Plantamour, Genf, 1899
Inv. E 137

Objets de Vertu

Die in der Fabrique in Zusammenarbeit mit Goldschmieden hergestellten Tabakdosen gelten als „Objets de Vertu“ wie auch die „Carnets de Bal“, Parfümfläschchen, Erinnerungsetuis und -hefte.
Mit „Objets de Vertu“ wird eine sehr breite Kategorie von Kunstwerken kleiner oder mittlerer Grösse bezeichnet, die auch „Objets de haute Curiosité“ oder „Bibelots“ (Ziergegenstände) genannt werden. Auch der heutige Bijoutier widmet seine künstlerische Tätigkeit gelegentlich diesem besonderen Bereich.


  • Henri-Daniel Robineau (?-1793), Paris, 1756-1762
    Erinnerungsetui mit Plaketten, Verzierung mit Vögeln und Bäumen auf grünen Terrassen

Etui aus ziseliertem und graviertem Rosen- und Gelbgold, Emailmalerei, Drücker mit einem gefassten Brillanten verziert
Höhe 9, Breite 5,9 (Max.), Breite 5,3 (Min.), Dicke 0,6 cm
Herkunft: Schenkung Xavier Givaudan, Genf, 1966
Inv. AD 1931

Email und Formobjekte

Die Verzierung von Formobjekten mit Email gleicht den in der Fabrique entwickelten Verfahren. In den Sammlungen des Museums finden sich eine Vielzahl von Objekten, die diese zarte Kunst veranschaulichen und welche die Signaturen berühmter Namen tragen, insbesondere Vertreter der Art Nouveau und der Art Deco aus Europa und aus Genf wie Camille Fauré, E. Feuillâtre, Jean-Henri Demôle, Franck-Édouard Lossier und Berthe Schmidt Allard, die für moderne und zeitgenössische Emailkunst stehen. Jean Dunand hingegen beherrschte die Kunst der Herstellung von Dinanderieobjekten. Die Sammlungen enthalten auch japanische Zellenschmelzarbeiten (émail cloisonné), die meist an Ausstellungen direkt von ihrem Hersteller gekauft wurden.

  • Eugène Feuillâtre (1870-1916), Paris, um 1900
    Emailliertes Tintenfass

Ziseliertes Silber, vergoldetes Silber, durchscheinendes Email mit Steinen und glänzender Zellenschmelz
Herkunft: Kauf beim Hersteller, Paris, ohne Datum
Inv. E 150

Schmuck

Eigentliche Glanzstücke der Sammlung sind Beispiele der Genfer Produktion aus dem 19. Jahrhundert, insbesondere Broschen und Armbänder mit Schweizer Miniaturlandschaften, die zwischen 1840 und 1880 für internationale Kunden angefertigt wurden, die auf ihrer Grand Tour die Alpen entdeckten.
Ferner sind die aussergewöhnlichen Objekte von Pariser Juwelieren aus der Epoche der Art Nouveau, die das Museum anlässlich grosser Kunst- oder Industrieausstellungen direkt bei ihren Herstellern erwerben konnte, als Leihgaben sehr gefragt.

  • Henri Vever (Paris, 1854-1942), Paris, um 1900
    Gürtelschnalle
    Paris, vers 1900

Ziseliertes Schmelzgold, opalisierendes Email und Fensteremail
Höhe 8, Breite 8,8 cm
Herkunft: Kauf von Henri Vever, Paris, ohne Datum
Inv. BJ 82

Le bijou contemporain

Seit Ende der Jahre 1970 wurde die bereits bestehende Schmucksammlung durch den Zukauf zeitgenössischer Schmuckstücke, Juwelierwaren und Goldschmiedearbeiten (siehe Rubrik: „Schmuck“) aus der Schweiz und Europa vervollständigt. Mit ihren rund 300 Objekten – meist Einzelstücke - ist die Abteilung für modernen Schmuck des Museums eine der bedeutendsten öffentlichen Sammlungen der Schweiz.
Zeitgenössischer Autorenschmuck ist durch die Verbindung plastischer und konzeptueller Eleganz mit konkretem oder abstraktem Körperbezug Teil der modernen Kunst.
Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stiess eine Reihe bemerkenswerter Werke zur Sammlung, die von Künstlern der Genfer Schule stammen und vom grossen Einfluss der Genfer Strömung innerhalb dieser Kunstrichtung zeugen.

  • Anne Baezner (Genf, 1970), Genf, 1995
    Ring

Geschwärztes Silber, Kettengewebe aus vermeil (vergoldetes Silber)
Höhe 2,4, diam. 2,8 cm
Herkunft: Kauf bei der Herstellerin, 1996
Inv: H 96-20

Werkzeuge

Neben dem Mobiliar (Werktische und Schubladenstöcke) besitzt das Museum auch einige schöne Werkzeuge, deren Griffe durch den Einschluss von Horn und Elfenbein verziert sind und von der Sorgfalt zeugen, welche die Uhrmacher der Herstellung ihrer eigenen Geräte widmen.
Die herkömmlichen Werkzeuge – Bank- und Handschraubstöcke, Zangen, Pinzetten, Sägebögen, Gewindeschneider und andere – passen sich den neuen Arbeitsverfahren an, die sich mit der Industrialisierung durchsetzen. Sie werden durch die Schruppdrehmaschine, Werkzeuge zum Teilen der Zahnräder, zum Schneiden der Zahnscheiben und Schnecken, zum Spalten der Zahnräder, zum Zentrieren und zum Versetzen, ergänzt. Die Zahnräder werden nun durch den Blanquier (Hersteller des Rohwerks), den Zahnradspalter, den Finisseur, den Verzahnungsfräser und den Polierer bearbeitet. Zum Drehen verwendet der Blanquier anfangs den Bogen, dann das Trittbrett, dessen Antriebsrad durch den Fuss betätigt wird. Werkzeugmacher wird ein immer wichtigerer Beruf.

  • Jacob Privot, aktiv in Genf, Mitte XVIII. Jahrhundert
    Maschine zum Schneiden der Zahnräder
    Genf, um 1750

Messing und Stahl
Inv. AD 4957

Das Cabinet Cottier

Louis Cottier (Carouge, 1894-1966) Der in der Klasse von Henri Hess an der Uhrmacherschule Genf ausgebildete Louis Cottier erhält bereits in jungen Jahren mehrere Preise. Er spezialisiert sich auf das Gebiet der komplizierten Weltzeituhren und entwirft Modelle für die berühmtesten Genfer Uhrenmarken, die aufgrund ihres klaren Designs beachtenswert sind.

Das Wort „Cabinotier“ ist ein Genfer Ausdruck, der einen Handwerker bezeichnet, der in einem der Berufe des Uhrmacherhandwerks oder einer der damit verbundenen Branchen arbeitet (die ihrerseits alle zusammen mit dem Begriff „Fabrique“ bezeichnet werden). Der Begriff kommt von der Enge der Werkstätten - Cabinet, die häufig unter den Dächern des Viertels Saint-Gervais untergebracht sind, wo die Berufe der Fabrique am meisten vertreten sind.

  • Das Cabinet Cottier

1972 der Stadt Genf 1972 von den Uhrenherstellern geschenkt, die Mitglieder der Vereinigung „Montres et Bijoux“ in Genf sind

Die Emailleurwerkstatt

Die Emailliertechnik, die in der Sammlung gut vertreten ist, wird Schritt für Schritt veranschaulicht und erklärt.
Eine rekonstruierte Emailleurwerkstatt ermöglicht das konkrete Verständnis für die minuziöse Herstellung dieser Schmuckstücke und Uhren aus Email, Gold, Silber, Edelsteinen und Glasbestandteilen.

  • Werkstatt von Berthe Schmidt-Allard (17.5.1877-19.11.1953)
    Werkzeuge, Glaspulver und Paletten


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 Roger PfundDer Vielfältige und Einzigartige
> So 11.08.2013
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 M Sélection Sammlung Migros Museums für Gegenwartskunst
> So 22.09.2013
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> Fr 31.05.2013
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Fr 31.05.2013 > So 22.09.2013